Drei Begriffe, die für Einsteiger fast austauschbar klingen, aber tatsächlich verschiedene Dinge bedeuten. Alle drei beschäftigen sich mit extremer Kälte, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Wie erzeugt man Kälte? Wie reagiert erzeugtLeben auf Kälte reagiert? Und wie lässt sich Kälte nutzen, um eine Person zu erhalten? Wer diese Begriffe auseinanderhält, kann besser verstehen, was Kryonik ist und was nicht.

Pixel-art illustration of tall stainless-steel cryogenic storage dewars in a bright laboratory with liquid-nitrogen vapor.
Lagertanks für die Kryonik: Sie halten die für die Konservierung nötigen tiefen Temperaturen aufrecht.

Kryogenik: die Physik der Kälte

Kryogenik beschäftigt sich mit den physikalischen und technischen Grundlagen sehr niedriger Temperaturen. Sie untersucht, wie sich sehr niedrige Temperaturen, meist unter −150 °C, erzeugen und regeln lassen, wie Gase verflüssigt werden und wie sich Materialien bei solchen Temperaturen verhalten. Für die Kryonik stellt sie die technischen Grundlagen bereit, etwa für Kühlsysteme, die Herstellung von flüssigem Stickstoff und isolierte Dewargefäße zur Lagerung. Die Kryogenik stellt also die technischen Mittel für die Kryonik bereit.

Kryobiologie: wie Lebewesen mit Kälte umgehen

Kryobiologie untersucht, wie Kälte auf lebendes Gewebe wirkt. Sie untersucht, wie Zellen beim Gefrieren geschädigt werden und wie Kryoprotektiva die Bildung schädlicher Eiskristalle verhindern können. Verfahren aus der Kryobiologie werden heute routinemäßig eingesetzt, um Spermien, Eizellen, Embryonen und bestimmte Gewebe einzufrieren und anschließend wieder aufzutauen, ohne dass sie ihre Lebensfähigkeit verlieren. Auch die Vitrifikation gehört zu diesem Forschungsgebiet: Dabei wird Gewebe in einen glasartigen Zustand überführt, ohne dass sich Eiskristalle bilden.

Kryonik: beides angewendet auf Menschen

Kryonik nutzt Erkenntnisse aus der Kryogenik und der Kryobiologie zur Konservierung menschlicher Körper. Dabei wird der Körper oder das Gehirn eines Menschen nach der Feststellung seines rechtlichen Tod bei sehr niedrigen Temperaturen konserviert. Ziel ist es, mithilfe physikalischer und kryobiologischer Verfahren die Strukturen des Körpers oder des Gehirns möglichst gut zu erhalten, in der Hoffnung, dass sich die Schäden künftig medizinisch beheben lassen. Eine theoretische Grundlage der Kryonik ist das Konzept des informationstheoretischen Todes. Nach diesem Konzept wäre ein Mensch erst dann unwiederbringlich tot, wenn die Hirnstrukturen, in denen Erinnerungen und Persönlichkeit verankert sind, so stark zerstört wären, dass sie sich nicht mehr rekonstruieren ließen. Dieses Konzept setzt die Grenze zum unumkehrbaren Tod später an als die Kriterien, nach denen der Tod offiziell festgestellt wird. Die Kryonik nutzt die technischen Möglichkeiten der Kryogenik und die Konservierungsverfahren der Kryobiologie.

Diese Unterscheidung ist wichtig, um die wissenschaftlichen Grundlagen und die Ziele der Kryonik getrennt beurteilen zu können. Zudem ist die Konservierung in der Kryonik nicht mit dem gewöhnlichen Einfrieren von Lebensmitteln gleichzusetzen. Bei der Kryonik sollen Kryoprotektiva verhindern, dass sich schädliche Eiskristalle bilden. Die Kryonik nutzt Erkenntnisse aus zwei etablierten Wissenschaften. Daraus folgt jedoch nicht, dass konservierte Menschen künftig wiederbelebt werden können.

Kurz gesagt: Kryogenik untersucht sehr niedrige Temperaturen. Kryobiologie untersucht, wie lebendes Gewebe auf Kälte reagiert. Kryonik nutzt Erkenntnisse aus beiden Bereichen, um Menschen nach der Feststellung ihres Todes zu konservieren.

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