Zwei Menschen können dieselben Fakten zu Biostase verstehen und sich trotzdem unterschiedlich entscheiden.

Keiner von beiden muss sich dabei irren.

Beide können sich einig sein, dass noch kein kryokonservierter Mensch wiederbelebt wurde, dass eine künftige Reparatur ungewiss ist und dass die Qualität der Konservierung von Fall zu Fall schwankt.

Der eine will sich die Option trotzdem offenhalten. Der andere würde Geld, Aufmerksamkeit und Hoffnung lieber anders einsetzen.

Unterschiedlich beurteilen sie, welche Konsequenzen sie aus diesen Fakten ziehen.

Die Fakten entscheiden nicht für dich

Die Entscheidung ist persönlich. Die wissenschaftlichen Grundlagen gelten aber unabhängig davon.

Die Kryokonservierung von Menschen ist heute nicht umkehrbar. Für eine sichere Wiederbelebung wären medizinische und technische Möglichkeiten nötig, die heute fehlen. Niemand kann verlässlich sagen, wie wahrscheinlich eine solche Wiederbelebung ist oder wann sie möglich sein könnte.

Wie gut Gewebe und seine Strukturen erhalten bleiben, hängt unter anderem von Erkrankungen, der Dauer der unterbrochenen Blutversorgung sowie von der Perfusion, Kühlung und Lagerung ab.

Der Wunsch, später wieder leben zu können, macht eine Wiederbelebung nicht wahrscheinlicher. Wer die Idee ablehnt, hat damit noch nicht bewiesen, dass eine Wiederbelebung physikalisch unmöglich ist.

Auch bei einer persönlichen Entscheidung darf man sich die Fakten nicht zurechtlegen.

Die Einverständniserklärung von Tomorrow.bio weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Wiederbelebung möglicherweise niemals möglich sein wird.

Die technischen Gründe dafür erklärt der Artikel „Warum eine Wiederbelebung derzeit nicht möglich ist“.

Diese Ungewissheit ist kein Freibrief für beliebige Schlussfolgerungen. Auch dann müssen wissenschaftliche Behauptungen belegt und die zugrunde liegenden Mechanismen erklärt werden.

Belege können dir aber nicht sagen, wie viel dir eine ungewisse Zukunft wert ist.

Praktisches Werkzeug

Dieses praktische Werkzeug nutzen

Nutze das interaktive Werkzeug, um die Frage dieses Artikels zu prüfen.

Das interaktive Tool wird geladen …

Du musst nicht allein entscheiden

Manche treffen diese Entscheidung nach Jahren stillen Nachdenkens. Andere recherchieren wenige Wochen und sind überrascht, wie selbstverständlich ihnen ihre Entscheidung dann erscheint.

Wie lange jemand dafür braucht, sagt allein nichts darüber aus, wie ernsthaft sich die Person mit der Frage beschäftigt hat.

Selbst zu entscheiden bedeutet nicht, die Bedürfnisse anderer außer Acht zu lassen.

Du brauchst vielleicht nicht die Zustimmung deines Partners oder deiner Partnerin. Trotzdem kann es dir sehr wichtig sein, ob diese Person den Plan versteht, akzeptiert oder mitträgt.

Ein Elternteil kann allein entscheiden und dabei bestehende Pflichten gegenüber den Kindern abwägen. Wer keine Angehörigen zu versorgen hat, muss andere Verpflichtungen berücksichtigen.

Auch wenn du allein entscheidest, können die Folgen die ganze Familie betreffen.

Geld, das du für die Biostase aufwendest, steht für andere Ausgaben nicht mehr zur Verfügung. Eine nahestehende Person muss womöglich den ersten Notruf absetzen.

Angehörige müssen womöglich auch eine Entscheidung mittragen, die sie befremdlich, beängstigend oder moralisch falsch finden.

Diese Auswirkungen gehören zur Entscheidung dazu. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass die Familie über deine Biostase entscheiden darf.

Ein erwachsener Mensch kann selbst über den eigenen Körper entscheiden und zugleich Verantwortung gegenüber den Menschen übernehmen, die von dieser Entscheidung betroffen sind.

Das heißt: die Finanzierung sichern, Unterlagen zugänglich halten und die Vereinbarung besprechen, bevor eine Krise eintritt.

Tomorrow.bio und seine lokalen Partner führen die erforderlichen Maßnahmen durch und übernehmen den Transport. Das Mitglied stellt die Informationen und Unterlagen bereit, die dafür nötig sind.

Die familiäre Dimension behandelt der Artikel „Biostase als Akt der Liebe“.

Prüfe jede Annahme einzeln

Eine Überzeugung erscheint oft deshalb so sicher, weil die Annahmen, auf denen sie beruht, nicht einzeln hinterfragt werden.

Trenne sie voneinander.

Angenommen, die Kosten wären doppelt so hoch. Würdest du dich trotzdem für Biostase entscheiden?

Würdest du dich auch dann dafür entscheiden, wenn eine Verzögerung im Notfall die Qualität der Konservierung beeinträchtigen würde?

Wie wäre es, wenn eine Wiederbelebung künftig möglich wäre, du dabei aber erhebliche Teile deines Gedächtnisses verlieren würdest oder die Menschen nicht mehr da wären, die du wiedersehen möchtest?

Deine Entscheidung muss nicht unter allen denkbaren künftigen Umständen dieselbe bleiben.

Du solltest aber wissen, unter welchen veränderten Bedingungen du anders entscheiden würdest.

So prüfst du, wie stark deine Entscheidung von einzelnen Annahmen abhängt, ohne dabei eine Genauigkeit vorzutäuschen, die nicht möglich ist.

Statt dir eine genaue Wahrscheinlichkeit für eine Wiederbelebung auszudenken, frag dich, wie klein diese Wahrscheinlichkeit werden müsste, damit die heutigen Kosten nicht mehr vertretbar wären.

Prüfe auch, was gegen deine bisherige Entscheidung sprechen könnte. Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Kosten oder welche familiären Verpflichtungen würden aus deiner Sicht gegen Biostase sprechen?

Wenn du unter keinen Umständen anders entscheiden würdest, verteidigst du womöglich dein Selbstbild, statt deine Entscheidung zu prüfen.

Warum es problematisch ist, eine unbekannte Wahrscheinlichkeit als konkrete Zahl anzugeben, erläutert der Artikel „Warum eine Wahrscheinlichkeit über null nicht genügt“.

Noch eine Unterscheidung ist wichtig.

Sich zu entscheiden ist nicht dasselbe wie bereit zu sein.

Für manche ist mit der Unterschrift eine Frage geklärt, die sie jahrelang beschäftigt hat. Andere sind erst dann wirklich erleichtert, wenn die Finanzierung gesichert ist, die Unterlagen vollständig sind und feststeht, wer im Notfall zu verständigen ist.

Auch wenn du dich für Biostase entschieden hast, kann organisatorisch noch einiges zu regeln sein.

Entscheidend ist deshalb nicht, wie einschneidend dir die Entscheidung erscheint oder wie selbstbestimmt und rational du dich dabei fühlst.

Entscheidend ist, ob du dich auf verlässliche Informationen gestützt, deine Annahmen geprüft und die Auswirkungen auf andere Menschen berücksichtigt hast, bevor du nach deinen eigenen Wertvorstellungen entschieden hast.

Kurz gesagt: Die Entscheidung für Biostase triffst du selbst, sie wirkt sich aber auf andere Menschen aus. Nutze verlässliche Informationen, berücksichtige die Kosten und die Auswirkungen auf die Familie und regle Finanzierung und Unterlagen, falls du dich dafür entscheidest.

Weiterführende Artikel